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Experteninterview mit Anita Mysor

Experteninterview mit Anita Mysor

„Ohne Sauerstoff ist keine Heilung möglich“

Anita Mysor ist mit Leib und Seele Wundmanagerin. Seit mehr als 15 Jahren betreut die gebürtige Rheinländerin ihre Patienten sowohl ambulant als auch stationär. Ihre Ausbildung zur zertifizierten Wundmanagerin absolvierte sie 2002 unter Gerhard Kammerlander. Seit 2004 ist Anita Mysor selbstständig und arbeitet zudem als freie Mitarbeiterin in einer Praxis in Krefeld. Mit welchen Problemen sie sich täglich konfrontiert sieht und wie chronische Wunden heilen können, hat sie uns erzählt.

Frau Mysor, Sie sind seit vielen Jahren als zertifizierte Wundmanagerin tätig. Es gehört zu Ihrem Beruf, viel unterwegs zu sein und ständig mit neuen Herausforderungen in der Wundheilung konfrontiert zu sein. Wie sieht eine ganz normale Arbeitswoche bei Ihnen aus?

Mein Haupteinsatzgebiet liegt am Niederrhein: Von Krefeld über Viersen bis Kleve arbeite ich mit verschiedenen Haus- und Facharztpraxen zusammen. In diesen Gebieten mache ich Hausbesuche bei Wundpatienten, die beispielsweise durch einen diabetischen Fuß nicht mehr in der Lage sind, selbst in die Praxis zu kommen. Ich bin auch für zwei Tage die Woche als freiberufliche Mitarbeiterin in einer Praxis in Krefeld tätig. Zudem betreue ich als externer Dienstleister gemeinsam mit meinen Mitarbeitern zwei Krankenhäuser in Krefeld und St. Tönis. Wir sind fünfmal die Woche im Krankenhaus vor Ort und versorgen stationäre Patienten, die speziell wegen ihrer Wunde in Behandlung sind. Außerdem bin ich auch als Referentin und Dozentin tätig, bin Mitglied in verschiedenen Fachgesellschaften und habe mich lange Zeit in unterschiedlichen Arbeitsgruppen engagiert. Wenn ich zusammenrechne wie viel ich für die Wundpflege im Einsatz bin, komme ich sicherlich auf eine 70-Stunden-Woche.

Woher nehmen Sie die Kraft, für eine solch anstrengende Arbeitswoche?

Natürlich stecke ich eine solche Belastung mit über 40 Jahren nicht mehr so leicht weg, wie noch vor wenigen Jahren. Aber gerade die sichtbaren Erfolge geben mir immer wieder Kraft und zeigen mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. In der Wundheilung bekomme ich relativ schnell eine unmittelbare Reaktion auf meine Behandlung – sei es durch Befundverbesserungen, oder positive Rückmeldungen der Patienten. Es ist immer schön zu sehen, wenn meine Patienten mobiler werden, der Schmerz nachlässt, Wundgerüche verschwinden und die Betroffenen wieder Hoffnung schöpfen. Dennoch muss ich leider sagen, dass die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren immer schwieriger geworden sind. Seien es administrative Aufgaben, wie die Budgetierung, die Zusammenarbeit mit Krankenkassen oder kassenärztlichen Vereinigungen, das Überangebot an Wundauflagen oder der Mangel an sinnvollen Konzepten, wie Versorger bezahlt werden können. Das Gesundheitssystem ist sehr komplex und auch der Fachkräftemangel wird für mich immer spürbarer. Das zehrt an meinen Kräften, aber für meine Patienten nehme ich das in Kauf.

Sie behandeln vorrangig Patienten mit chronischen Wunden. Woran liegt es, dass manche Wunden einfach nicht heilen?

Ich bin seit 15 Jahren als Wundmanagerin tätig und bin überzeugt, dass jede Wunde heilen kann – vorausgesetzt, es erfolgt in allen Bereichen die richtige Therapie. Es gibt meines Erachtens nach nur einen sehr kleinen Teil von Patienten, bei denen Wunden nicht heilen. Beispielsweise bei Patienten mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK), bei denen eine Revaskularisierung der Gefäße nicht möglich ist. Das ist vergleichsweise aber ein sehr kleiner Teil der Patienten. Allen anderen kann meiner Meinung nach geholfen werden, wenn alle medizinischen Schnittstellen perfekt ineinandergreifen. Die meisten Wunden heilen aufgrund einer schlechten oder nicht erfolgten Diagnostik der Grunderkrankung nicht. Wunden sind immer das Symptom einer Erkrankung, wird diese richtig diagnostiziert und therapiert, können viele Wunden heilen. Den Heilungsprozess kann ich dann unterstützen bzw. beschleunigen, beispielsweise mit modernen Wundauflagen, einem guten Exsudatmanagement oder einem Debridement.

Können Sie aus Ihrer täglichen Berufspraxis sagen, wie gut die Zusammenarbeit der medizinischen Schnittstellen klappt?

Es ist schwierig, gerade weil viele Ärzte in Wundmanagern nur Verkäufer sehen, die ihre Produkte schnell loswerden wollen. Das ist aufgrund der Flut von Verbandsmitteln auf dem Markt leider auch mehr als verständlich. Ärzte haben jeden Tag Wundberater auf der Matte stehen, die ihnen Produkte verkaufen wollen, die es so bereits seit Jahren auf dem Markt gibt, nun aber auch von anderen Herstellern produziert werden. Wenn wir ehrlich sind, gab es in den letzten Jahren kaum Innovationen in der Wundheilung. Für mich ist tatsächlich Granulox® eines der wenigen Produkte, das ich für wirklich innovativ und sinnvoll halte. Zudem wird Ärzten immer wieder gerne suggeriert, dass diese Produkte allein ausreichen, um eine Wunde zu heilen. Dabei können diese Mittel nur dann wirklich erfolgreich sein, wenn parallel auch die Grunderkrankung therapiert wird.

Wie lässt sich Ihrer Meinung nach diese Problematik aufbrechen?

Das eigentliche Problem ist doch, dass Wundberater kein Geld bekommen – es sei denn, sie schließen einen Vertrag mit einem Hersteller ab und erhalten für jedes ausgestellte Rezept eine Provision. Ich habe glücklicherweise Honorarstellen, daher bin ich darauf nicht angewiesen. Bei uns weiß ich, dass die Ansprüche des Patienten im Vordergrund stehen und wir ihn nicht sinnlos überpflegen. Manche Patienten werden fünf Jahre lang mit den unterschiedlichsten Wundauflagen behandelt, aber niemand klärt die Grunderkrankung oder hinterfragt, wie sinnvoll die Produkte für die jeweilige Wunde sind.

Im Frühjahr dieses Jahres gab es mit dem Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) eine Gesetzesänderung, in der viele die Chance sahen, das Überangebot von Wundauflagen zu begrenzen. Tatsächlich fallen nun aber auch Produkte aus der Erstattung, die für die Wundbehandlung essentiell sind, so wie Hydrogele. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Der wirkliche Knackpunkt ist doch, dass Geld ausschließlich über den Verkauf von Materialien gemacht werden kann, nicht aber über die Versorgung. Die Intention hinter dem HHVG ist für mich zwar irgendwie nachvollziehbar, aber die Art und Weise, wie es umgesetzt wurde, erscheint mir sehr unüberlegt. Es führt doch dazu, dass Patienten, die schon jetzt nicht gut behandelt werden, zukünftig noch schlechter therapiert werden. Wundgele mit antiinfektiven Wirkstoffen benutze ich häufig, so wie Granudacyn®. Hier finde ich eine Nicht-Erstattung sehr hinderlich! Es gibt stattdessen andere Produkte bei denen ich das bestehende Überangebot nicht nachvollziehen kann. Ich brauche wirklich keine zwanzig Superabsorber, die alle denselben Effekt haben. Es gibt ja auch preislich keine Konkurrenz. Niemand kann mir erzählen, dass dabei der Patient im Mittelpunkt steht. Natürlich müssen Unternehmen wirtschaftlich denken, aber ich finde, dass gerade bei der Versorgung von Patienten, ein gewisses Maß an Ethik und Moral eingehalten werden muss. Leider steht meist aber nur der Verkauf im Fokus.

Für viele Patienten ist die Erstattung auch ein Qualitätsurteil. Was sagen sie diesen Patienten?

Wenn Sie so wollen, dürfte nach aktueller Studienlage gar kein Produkt erstattet werden. Es gibt für kein Produkt auf dem Markt eine wirkliche Evidenzgrundlage, alles was wir haben, sind Expertenempfehlungen und Erfahrungswerte. Wir können nachweisen, wie viele Patienten mit den entsprechenden Mitteln therapiert wurden und welche Ergebnisse dabei erzielt wurden. Ich empfehle meinen Patienten nur, wovon ich selbst überzeugt bin – das wissen sie und vertrauen mir.

Ist Granulox® ein Produkt, dem Sie vertrauen?

Ich bin grundsätzlich jemand, der neuen Dingen offen gegenüber steht und diese auch gerne ausprobiert. Nichtsdestotrotz bin ich auch kritisch. Jeder Außendienstler wird bei mir erst einmal mit Fragen gelöchert – bei Granulox® haben mich die Argumente und Behandlungserfolge aber überzeugt. Anfangs habe ich Granulox® quasi als „letzten Strohhalm“ genutzt, wenn andere Therapiekonzepte nicht geholfen haben. Ich habe es dann bei vier meiner Patienten ausprobiert und konnte dort auch relativ schnell Erfolge sehen. Daraufhin habe ich Granulox® häufiger in meine Behandlung eingeschlossen und bin auch an Ärzte mit dem Produkt herangetreten. Das mache ich nur sehr selten und auch nur dann, wenn ich davon überzeugt bin.

Bei welchen Wunden haben Sie Granulox® bereits eingesetzt?

Ich habe Granulox® schon häufig bei Platzbäuchen eingesetzt, also bei postoperativen Wunden am Bauch. Im Krankenhaus werden diese meist mit einer Vakuumtherapie behandelt, was in den meisten Fällen auch sehr gut hilft. Ambulant ist diese Therapie nicht mehr so einfach möglich, erfahrungsgemäß brauchen diese Wunden dann sehr lange, bis sie heilen. In diesen Fällen setzte ich Granulox® gerne ein, weil ich damit schon oft die Wundheilung beschleunigen konnte. Ich habe Granulox® zudem auch schon erfolgreich bei Patienten mit ulcus cruris oder bei Patienten mit einer periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) eingesetzt. Die Resonanz der Patienten war bislang immer sehr gut!

Das Hämoglobin in Granulox® transportiert Sauerstoff aus der Umgebungsluft in den Wundgrund. Wie wichtig ist eine ausreichende Sauerstoffversorgung für die Wundheilung?

Ganz klar: Ohne Sauerstoff ist keine Heilung möglich. Das Zellwachstum ist einfach auf Sauerstoff angewiesen. Zudem hilft Sauerstoff bei der Bekämpfung von Bakterien: In der Wundheilung haben wir es gerade am Wundgrund mit Anaerobiern zu tun, für sie ist ein gut durchbluteter Wundgrund kein gutes Milieu. Daher ist es immer ratsam, neben der Therapie der Grunderkrankung auch darauf zu achten, dass Wunden ausreichend mit Sauerstoff versorgt sind.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Mysor!

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